Über die Hausemer Schtombaschiaßer

Früher war er im ganzen Flecken bekannt, heute erinnern sich nur noch Wenige an den Mann, dem die „Hausemer“ ihren Übernamen verdanken - an den Darre-Wanners Hansjörg, ein echt schwäbisches Original. Der Wannersche Hausname „Darre“ geht übrigens darauf zurück, dass dieses etwas abseits der Ortsmitte Richtung Herrenberg gelegene Anwesen einen eigenen Backofen und damit die Möglichkeit besaß, Obst, besonders Zwetschgen und Birnen, zu dörren. Berühmt wurde der Hansjörg aber nicht durch das Dörren von Früchten, sondern durch eine besonders denkwürdige Begebenheit.

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Schtombaschiasser

Wie so viele Bewohner der Schönbuchdörfer arbeitete auch der Darre-Wanner neben seiner Landwirtschaft im Wald. Ab und zu verdiente er sich noch ein Zubrot mit seinem Fuhrwerk durch Botengänge und Transportfahrten in die nahe Oberamtsstadt Herrenberg. Hansjörg war ein bedächtiger und gutmütiger Bursche, der jedoch gerne einen über den Durst trank und daher an manchen Tagen, wenn im Forst kräftig zugepackt werden musste, nicht so recht zu gebrauchen war.
Eines Morgens hatte sich die Arbeitskolonne ein schweres Stück Arbeit vorgenommen. Im Lindach, einem Waldstück südlich des Kohltors, musste beim sogenannten „Saufang“ der Bau eines Waldweges vorbereitet werden. Die Bäume waren schon gefällt, nun sollten die Baumstümpfe, auf schwäbisch „Schtomba“, gerodet werden.

Da es beinahe menschenunmöglich war, die Jahrhunderte alten Wurzeln mit Axt und Säge zu zerkleinern, pflegte man die „Schtomba“ zu sprengen. Dummerweise war das Säcklein mit Schwarzpulver in der Nacht feucht und der Inhalt damit unbrauchbar geworden. Da kam dem Haumeister der schwere Kopf seines Hansjörg gerade recht, und er schickte ihn mit dem Fuhrwerk nach Herrenberg, wo das Pulver besorgt werden konnte.

Auf dem Feld ganz in der Nähe des Dorfes traf der immer noch müde Fuhrmann seinen Nachbarn. Der klagte ihm sein Leid: „Was solle au doa, Hansjörg, mei beschte Sau em Stall hot´s Gremme“ (Bauchgrimmen, Bauchweh). „Moansch du etzet dei Weib oder die Kosel?“ gab der Darre-Wanner zurück, trotz seines Katers wie immer zum Witzeln aufgelegt. Doch Spaß beiseite, immerhin wusste er zu helfen und versprach dem Bauern, das seinem Mutterschwein Heilung bringende „Saupulver“ aus der Stadt mitzubringen.

Auf dem Herrenberger Marktplatz angekommen, erledigte der Hansjörg schnell seine Aufträge und ließ in der nahen Apotheke die beiden Tüten mit den so unterschiedlichen Pulvern füllen. Beim „Traube“-Wirt machte er dann ausgiebig Mittag, wobei er die Blut- und Leberwürste, die Bratkartoffeln und das Sauerkraut mit etlichen Humpen Bier hinunter spülte. So hatte der Hausemer beim Aufbruch – wie es sich für einen Fuhrmann gehört – „gut geladen“ und schlief daher bald auch dem Kutschbock ein.
Trotzdem kam er im Flecken nach zwei Stunden an; denn der brave Gaul war es schon gewohnt, den Heimweg alleine zu finden.

Noch schlaf- und biertrunken griff der Darre-Wanner nach der einen Tüte, lieferte sie bei seinem Auftraggeber ab und fuhr dann Richtung Lindach weiter. Ungeduldig wurde er dort schon vom Haumeister und den übrigen Waldarbeitern erwartet. Bevor es dunkel wurde, sollten die Baumstümpfe gesprengt sein.
Hastig verteilten die Männer das Pulver, verdämmten es unter den „Schtomba“ und legten die Lunten. Kaum waren diese entzündet, schallte durch den Saufang der Ruf: „Passet uf, Manne, des isch Dynamit!“
Alles ging in Deckung, doch die Explosion ließ auf sich warten. Selbst nach Minuten war immer noch nichts passiert. Da es dämmerte, blieb den verhinderten Feuerwerkern nichts anderes mehr übrig, als ratlos nach Hause zu gehen,

Erst nachdem der Bauer am nächsten Morgen die Sau mausetot im Koben gefunden und den Wanner zur Rede gestellt hatte, ging diesem ein Licht auf: „Ja, jetzt leckscht mi doch am Arsch, i glaub, i hao des Saupulver mit em Schiaßpulver vertauscht!“

So gingen die Hildrizhausemer als „Schtombaschiaßer“ in die Geschichte ein. Aber selbst sie müssen jedes Mal schmunzeln, wenn sie in der Nähe der Lindachspitze im Schönbuch das seither „Am Saupulverweg“ genannte Sträßlein entlangwandern.

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Am Saupulverweg
Quelle: Nachrichtenblatt Gemeinde Hildrizhausen vom  Freitag, 19. April 2013zoom
Quelle: Nachrichtenblatt Gemeinde Hildrizhausen vom Freitag, 19. April 2013